Naturheilpraxis Bernd Grosche
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RÖNTGEN: Weltrekord im Rückenröntgen

 
   
   
   
 

Rückenschmerzen kennt fast jeder, und meist liegen keine spezifischen Veränderungen der Wirbelsäule zugrunde. Dennoch ist der diagnostische Aufwand hoch und auch therapeutisch liegt Einiges im Argen.

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit, die häufig schon früh im Leben ihren Lauf nimmt. Einer EMNID-Umfrage aus 2004 zufolge hatten bereits zwei Drittel der Bevölkerung über 14 Jahre Erfahrungen damit sammeln müssen. Die meisten von uns führen Rückenschmerzen mindestens einmal im Leben zum Arzt. Damit sind sie einer der häufigsten Gründe für Arztbesuche und Arbeitsfehlzeiten.

Erst mal röntgen

Wer mit Kreuzweh beim Arzt landet, findet sich meist schnell im Röntgenraum wieder, auch Magnetresonanzuntersuchungen (MRT) und Computertomografien (CT) erfreuen sich großer Beliebtheit – und dies obwohl Leitlinien darauf hinweisen, dass diese Prozeduren meist nutzlos sind, da die meisten Patienten unspezifische Beschwerden haben, die häufig selbstlimitierend sind. Lediglich bei Vorliegen von „red-flag“-Symptomen, Hinweis auf Tumorerkrankungen oder therapieresistenten unklaren Befunden ist die Bildgebung gerechtfertigt.

Bildgebungsstrategien bei unteren Rückenschmerzen untersuchten 2009 Roger Chou der Oregon Health and Science University in Portland, Oregon in einer Metaanalyse von sechs Studien mit 1.800 Rückenschmerzgeplagten. Die sofortige Bildgebung ergab im Hinblick auf Schmerzen, Funktion, Lebensqualität sowie von Patienten berichtete Verbesserungen und Patientenzufriedenheit keine Vorteile gegenüber Standarduntersuchungen. Nach Meinung der Studienautoren handelt es sich bei der gängigen Überdiagnostik von Rückenschmerzen nicht nur um eine Verschwendung von Ressourcen.

Mehr MRT’s – mehr Operationen

Eine der Folgen der immer häufiger durchgeführten MRT-Untersuchungen ist die gleichzeitig steigende Anzahl von Operationen, die Besserung leider nicht garantieren. Ist entsprechende Diagnostik verfügbar wird sie offenbar auch genutzt, berichteten unlängst Jaqueline Baras und Laurence Baker der Stanford University im Journal Health Affairs. Sie untersuchten die Häufigkeit von MRT-Untersuchungen bei Rückenschmerzpatienten und ihr Verhältnis zur Verfügbarkeit dieser Untersuchung. Bei 15,6 Prozent von 660 Episoden unterer Rückenschmerzen war eine MRT durchgeführt worden. 2,7 Prozent davon landeten innerhalb eines Jahres auf dem OP-Tisch. Dabei war die Häufigkeit der diagnostischen MRT von der Verfügbarkeit der Geräte abhängig.

Röntgen- und CT: Strahlung mit Folgen

Ein weiterer Aspekt der Überdiagnostik durch unnötige CT-Untersuchungen ist die erhöhte Strahlenexposition. Das strahlungsintensive Verfahren erhöht insbesondere bei wiederholter Anwendung das Krebsrisiko. Einer Untersuchung aus dem letzten Jahr zeigt, dass viele Patienten fünf oder mehr diagnostische CT-Untersuchungen im Leben erhalten. Es gab sogar Spitzenwerte. Manch ein Patient von den insgesamt über 31.000 untersuchten brachte es auf über 100 CTs im Leben. Sieben Prozent der Untersuchten hatten allein durch CT-Untersuchungen ein um ein bis zwölf Prozent erhöhtes Tumorrisiko.

Zu erschreckenden Ergebnissen kamen auch aktuelle in den Archives of Internal Medicine veröffentlichte Studien. Demnach hat sich die Häufigkeit von CT-Untersuchungen in den USA in den letzten 15 Jahren insgesamt verdreifacht. Nicht ohne Folgen: Schätzungen zufolge induzierte dies im Jahr 2007 29.000 Krebserkrankungen. Auch bei CT-Untersuchungen besteht daneben natürlich das Risiko, dass Zufallbefunde erhoben werden, die zu weiterer belastender und unnötiger Diagnostik veranlassen.

Therapie: Aufs falsche Pferd gesetzt

Während bei der Diagnostik zu häufig auf neue Technik gesetzt wird, sieht es bei der Therapie von Rückenschmerzen ganz anders aus. Zu viele Mediziner halten an alten Therapiekonzepten fest, auch wenn Leitlinien klar empfehlen, aktiven Therapien bei Rückenschmerzen den Vorzug zu geben, um eine Chronifizierung zu vermeiden, so Forscher der Universitätsklinik Heidelberg im Fachblatt DER SCHMERZ. Spritzen und Medikamente stehen demnach weiterhin hoch im Kurs. Auch Bettruhe empfinden nicht wenige Ärzte, aber vor allem auch der Großteil der Patienten, als adäquate Therapie. Dass dies ein Trugschluss ist, zeigen Wiederholungsuntersuchungen der Forscher nach einem halben Jahr. 66 Prozent der Patienten mit akuten Rückenschmerzen, die passive Therapien erhielten, entwickelten chronische Schmerzen. Über der Hälfte der Patienten mit bereits chronischen Schmerzen konnten von passiven Therapien nicht profitieren und bei 13 Prozent der chronisch Geplagten verschlechterte sich die Lage zusehends.

von Dr. Julia Hofmann,  02.03.2010

 

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